Tips und Tricks aus dem Nähkästchen

Hier erscheinen Stück für Stück Texte und Dokumente zum Restaurieren von Fahrrädern, Hinweise für Materialien und Tricks aus dem Werkstattalltag.

Aber, lieber Hobbyrestaurator bedenke dieses:

“Frei nach Le Corbusier “Weniger ist manchmal mehr”.
Als Anfänger vor über 15 Jahren dachte ich mir auch immer, dass doch der Rost häßlich ist und alles soll schön glänzen, warum den originalen, verblassten, beschädigten Schriftzug lassen, wenn es ein Repro gibt…

Doch, denkt daran, ihr besitzt Zeitzeugnisse, bisweilen Einzelstücke, die so leicht unwiederbringlich zerstört werden können.

Kein neuer Lack und Linierung sowie repro-Abziehbilder können mit dem Originalzustand mithalten.

Lasst Euer Rad ruhig die Spuren der Zeit tragen, das ist nicht häßlich und erst recht keine Schande. Wäre doch schade, wenn wir alle mit schwarz angesprühten Einheitsrädern durch die Gegend führen.

Als Archäologe kann ich Euch nur sagen, dass es eben keine Schande ist, wenn man den Verfall und das Alter sieht. Man kann es nicht wegwischen. Es ist immer besser, wenn man die Geschichte sehen kann.

Seit Jahren ist die Linie in Museen und Restaurierungswerkstätten die, dass man möglichst wenig ergänzt (also schwindelt) und auch keinen klinischen Neuzustand anstrebt. Alles soll reversibel bleiben. Was kaputt ist, ist eben kaputt.

Das schonende Restaurieren ist durchaus eine Kunst, vielleicht sogar die größere als das Renovieren. Die große Kunst besteht in der Ruhe und Geduld, die Zopfbürste und das Lackspray im Schrank zu lassen, in der peniblen Säuberung der Teile, des Richtens der Teile, der Recherche, dem Willen die Technik instand zu setzen und das Objekt als Zeitzeugnis zu respektieren.

Vielleicht mag es für den einen oder anderen frustrierend sein, dass nach vielen zig-Stunden Arbeit das Resultat fast genauso wie der Ausgangszustand aussieht. Doch solch eine reversible und schonende Restaurierung wird immer der richtige und für das Objekt “würdevollste” Methode sein.”

Danke für den Text an Frank Krämer (Archäologe und Fahrradsammler)